Straba-Abschied Hildesheimer Straße

Wie das immer so ist: man nimmt sich vor, ein bestimmtes Motiv zu knipsen und irgendwann merkt man dann, dass es unwiderruflich zu spät ist.

So ähnlich wäre es mir fast mit dem oberirdischen Straßenbahnbetrieb auf der Hildesheimer Straße gegangen. Jahrelang hatte auf meinem Schulweg von der Peiner Straße bis zum Altenbekener Damm die Straßenbahn genutzt und nie fotografiert. Und dann sollte der oberirdische Betrieb im September 1982 zu Ende gehen und unter die Straße verlegt werden.

Ich habe es dann doch tatsächlich kurz vor Toresschluss (2 Tage vor der Einstellung!) noch geschafft, zumindest rund um die Haltestelle Altenbekener Damm ein paar Aufnahmen zu schießen (Aufnahmen
vom 24.09.1982)

D05842 twg 506

Twg 506

D05823 twg 6018
D05835 twg 6018

Twg 6108

Twg 6018

D05838 twg 6103
D05836 twg 6097

Twg 6097

Twg 6103

D05841 twg 6089

Twg 6089

Zwei Tage später, am 26.09.1982, war es dann soweit: es galt Abschied zu nehmen vom oberirdischen Straßenbahnbetrieb zwischen Döhrener Turm und  der Innenstadt. Und irgendwie wollte ich dabei sein - das hieß, gegen  0:45 Uhr mal um den Aegidientorplatz herumdölmern, da sich hier die letzten beiden planmäßigen Bahnen treffen sollten. Allerdings war ich nicht der einzige, denn die Hildesheimer Straße war trotz nachtschlafender Zeit mit Menschen übervölkert. Als erstes kam aus der Innenstadt der schon etwas etwas mitgenommen aussehende Triebwagen 409 an (bei den Aufnahmen bitte ich um Verständnis, dass es manchmal für den Stromabnehmer nicht mehr gereicht hat. In der Dunkelheit war ich schon heilfroh, wenn ich die Schärfe einigermaßen einstellen konnte. Wo der Stromabnehmer oben endete, war nur zu erahnen...).

D05865 twg 409
D05862 twg 409
D05870 twg 409

Aus der Gegenrichtung nahte ebenfalls eine “8” in Gestalt des Gelenkwagens 507. Beide Bahnen übrigens proppevoll und das zu dieser nachtschlafenen Stunde...

D05872 twg 507
D5864 409
D05877 twg 409_507

Drei Offizielle (der Üstra?) erklärten dann den oberirdischen Betrieb an dieser Stelle für beendet und träufelten aus ihren Plastikbechern im Rahmen einer Schienentaufe ein paar Tropfen Abschiedssekt auf die Gleise.

Nachdem dann die beiden Straßenbahnzüge weitergefahren waren, begannen in Höhe des Döhrener Turms nach Passieren des 409ers die Bauarbeiten. Die alte Strecke in/aus Richtung Innenstadt wurden gekappt und die Schienen aus/in den Süden Hannovers mit der Strecke in die Tunnelrampe verbunden.

An der Haltestelle Engesohde (ich kann mich noch dunkel daran erinnern,  dass früher mal an der Engesohde eine Endschleife war -  leider habe ich die nie fotografisch verewigt) war bereits ein Straßenbahnzug der 300er-Reihe abgestellt (Twg 323)  - er ”durfte” bei  der Eröffnungsfeier als Malobjekt für die Bevölkerung herhalten.

D05878
D05880 twg 323

Besonders lange dauerte meine Nachtruhe an diesem Tage/in dieser Nacht nicht. Nach nur ein paar Stunden Schlaf machte ich mich wieder auf den Weg an die Hildesheimer Straße, wo ab Döhrener Turm in Richtung Zentrum die  Eröffnung der unterirdischen Strecke gefeiert wurde. In der unterirdischen Haltestelle Schlägerstraße (nach diversen Hinweisen aus dem Internet [danke!!!]: vermutlich am Kröpcke? - In meinem Archivheft von damals habe ich zu  dem Dia "Schlägerstr." stehen. Vielleicht habe ich mich aber auch durch  den Zielfilm der Bahn irritieren lassen. Wie heißt es so schön bei  Toyota? Nichts ist unmöglich...) machte ich den Stadtbahnwagen 6031 aus, der für das erste Foto herhalten musste.

D05881 Haltestellenschild
D05885 twg 6031

An der Engesohde hatten sich die ersten “€žKünstler” bereits am Triebwagen 323 und dem Beiwagen vergangen/verewigt. Ich gestehe: ich war auch beteiligt - in Form einer Dampflok oder besser: mit dem Versuch einer Dampflok neben der Eingangstür beim Fahrer (ich komme am Schwerpunkt meines Hobbys halt nicht vorbei...)

D05892 twg 323_mal
D05894 twg 323

Im weiteren Tagesverlauf wurde das Fest auf der Hildesheimer Straße abgeklappert. Am Döhrener Turm kam mir noch der geschmückte Triebwagen 6084 (war vermutlich der offizielle Eröffnungszug)vor die Kamera. Soweit ich an der Haltestelle Engesohde vorbeikam, wurde der farbenfrohe Fortschritt am 323 verewigt.

Dazu ist anzumerken, dass die Üstra vor hatte, den 323 in der Werkstatt Glocksee  mit Lack zu versehen und ihn mit der Bemalung in den Liniendienst zu  schicken. Es hätte ja auch klappen können, wäre dann nicht der Regen gekommen und hätte das Gemalte unansehnlich verschmiert.

D05896 twg 6084
D05907 twg 323
D05900 twg 323
D05913 twg 323

Irgendwann am Abend und nach den Festivitäten war es dann soweit: der 323 musste ja auch noch mal von der Engesohde weg. Und da es in Richtung Döhren aufgrund der gekappten Schienen ja nicht mehr ging, hieß es für den 323 bis zum Aegidientorplatz noch einmal: ab über die Hildesheimer Straße. Und damit war der 323 wohl wirklich die letzte Straßenbahn, die  oberirdisch über die Hildesheimer Straße fuhr. Da der Regen sich dabei  wieder etwas zurück hielt, konnte ich mit Knipskasten und Blitzlicht (ich bedauere den Fahrer heute noch!) vom Altenbekener Damm bis zum Aegi  neben der Bahn her laufen und diese letzte Fahrt einfangen  (wahrscheinlich würde ich mit meiner heutigen Kondition bereits an der  Geibelstraße nach einem Sauerstoffzelt verlangen...). Los ging die abendliche Knipserei an der Haltestelle Altenbekener Damm. Das  Haltestellenschild ist bereits etwas gefleddert...

Dem Zug vorweg fuhr ein Zweiwege-LKW, der die Spurrillen der Gleise von Bierbechern und Schottersteine befreite.

D05915 twg 323
D05914 OltLKW
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Haltestelle Geibelstraße und kurz dahinter - auf jeden Fall wollte ich die Bahn an allen ehemaligen oberirdischen Haltestellen mit den entsprechenden Schildern draufhaben.

D05917 twg 323
D05918 twg 323

Haltestelle Krausenstraße

Diesmal war das Reden mit dem Fahrer während der Fahrt erlaubt  ;-)

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D05919 OltLKW

Quer durch den Müll des Straßenfestes

Haltestelle Schlägerstraße

D05921 twg 323

Langsam näherte sich der 323er dem Aegi

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Die letzten Meter Hildesheimer Straße

D05924 twg 323
D05923 twg 323

Der Aegi ist erreicht - das Regenwasser wird aus den Schienen gedrückt.

Zwei Stückchen Geschichte: heute gibt es weder den 323er noch die über ihm erkennbare Aegi-Hochstraße

Am nächsten Tag machte ich mich noch einmal auf den Weg nach Döhren. Im Betriebshof harrte Triebwagen 409 der Dinge und ein Haufen grüner 6000er zeigte, was künftig auf den Schienen zu sehen sein sollte.

D05954 twg 409 D05957 Bbf Döhren neu
NOF12
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